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28.06.2010
16:33

Motörhead

Am vergangenen Wochenende hat wurde ich gefragt, ob ich eine Wunschliste an Touren hätte, die ich gerne noch machen möchte. Irgendwo in meinem Kopf gibt es natürlich eine solche Liste und die "Motörhead" am Grimsel war sicherlich eine Tour, die auf dieser Liste ganz weit oben stand. Gleich nach der Rückkehr von Sardinien wollten wir (Göbse und ich) diese Tour klettern, dieses Wochenende sollte es dann soweit sein.

 

Die Tour selber befindet sich im "Eldorado", einem Klettergebiet am westlichen Ende des Grimsel-Stausees, etwas abgelegen vom Trubel im Tal selbst. Eingebohrt wurde sie von den Remy Brüdern, wie so mancher Klassiker in den Alpen. Füher war sie berüchtigt dafür, weniger Haken als Seillängen vorzuweisen (die Tour hat 14 Längen!). Wie heißt es so schön im Plaisir-Führer: "Wer die Größen seiner Friends nicht auswendig kennt, sollte gar nicht erst einsteigen." Diese Meinung kann ich voll und ganz bestätigen.

 

Nun gut. Wir sind also gegen 15:30 in Karlsruhe losgefahren und waren irgendwann um 19:30 am Grimselhospiz. Dort haben wir erst einmal Materialsortage betrieben. Vom Grimselhospiz läuft man ca. 1,5h bis zum Einstieg. Wegen der Länge der Tour entschieden wir uns darunter zu biwakieren. Darum sollten dir Rucksäcke so leicht wie möglich sein.

 

 

Oberhalb des Brünig Sees
Grimsel Hospiz kurz unterhalb der Grimselpass-Höhe
Materialsortage
Tunnel auf dem Weg zum Eldorado
Kleine Dusche auf dem Weg zum Biwak
Felix demonstriert die Heizleistung seines Taschendrachens
Biwak unterm Sternenhimmel

 

 

Zum Material gleich vorneweg: Wir hatten pro Seilschaft mindestens einen kompletten Satz Camalots dabei von 0.3 bis 3.0. Vor allem die Größen 0.3 bis 0.5 waren in den vielen Verschneidungen und Rissen ständig im Einsatz. Da wir zwei Seilschaften bilden wollten, entschieden wir uns dafür, statt den Halbseilen jeweils ein 70m Einfachseil mitzunehmen um weniger tragen zu müssen und beim Abseilen schneller voranzukommen. Auch das war eine gute Entscheidung. Wir hatten keinen einzigen Seilverhau und waren mit 9 mal Abseilen wieder unten - dazu später mehr. Keile kann man daheim lassen, wenn man genügend Friends am Gurt hat. 10 Exen haben gereicht. Wer abseilen möchte, sollte ein paar Kettenglieder mitnehmen, da nicht alle Stände zum Abseilen eingerichtet sind, sowie ein paar Meter Repschnurmaterial. Es wird fast durchgehend auf Reibung getreten, dies vielleicht noch als Hinweis für die Wahl der Kletterschuhe!

 

 

Der Einstieg ist mit dem Tourennamen beschriftet und befindet sich rechts von einem gut sichtbaren Überhang
Erste 6a Seillänge - Piazriss vom Feinsten
Markus am Ausstieg des Piazrisses

 

 

Nach einer lauschigen Biwaknacht auf einer Sandbank im abgelassenen Grimselstausse sind wir gegen 7:20 in die Tour eingestiegen. Sie war trocken und lag zu dieser Zeit noch gut im Schatten. Die erste Länge verlangt mit 4a noch nicht allzuviel vom Kletterer, macht aber mit 1 Haken gleich mal klar, dass die Absicherung sehr spärlich vorhanden ist. Den Stand bezieht man rechts unterhalb eines großen überhängenden Blocks. Die zweite Länge macht mit einer glatten 5c Platte mit zwei Haken Lust auf mehr, unsere Vorsteiger haben diese Stelle allerdings links mit etwa 5a umgangen. Zur Sache geht es erstmals nach dieser kurzen Platte, wo ein senkrechter Piazriss ohne Haken überwunden werden muss, um an den zweiten Stand unterhalb der 6a-Verschneidung zu gelangen. Diese stellt dann auch die erste Schlüssellänge dar. Der Riss ist gut zu greifen, wird aber nach oben immer steiler und wer bis jetzt noch geschlafen hat, ist spätestens jetzt wach. Der erste Haken ist quasi schon am Ausstieg bevor es dann über die eigentlich Schlüsselstelle dieser Länge über eine glatte Platte zum nächsten Stand geht. Wer hier bereits Probleme hat, sollte lieber umkehren!

 

 

Es folgen zwei leichtere, aber schöne Längen (4a und 5a), bevor es mit 5c zuerst über eine Wandstelle (hier den rechten der beiden Risse klettern!) in die lange Verschneidung geht. Der obere Teil dieser Länge ist mit Sicherheit eine der schönsten Stellen in der Tour: Eine traumhafte Rissverschneidung, die gerade noch flach genug und griffig genug ist, um einfach nur Spaß zu machen. Danach folgt mit einer weiteren 6a Länge mit 2 Haken die nächste Schlüssellänge der Tour. Die Verschneidung wird hier runder und das Anbringen der Sicherungsmittel kostet nicht nur Kraft, sondern auch Nerven, weil man von oben nicht mehr in den Riss "hineinsieht". Der folgende Stand, unterhalb der 6a+ Länge hat uns einen gewaltigen Verhauer eingebracht: Es geht nicht gerade aus weiter, sondern sofort vom Stand weg nach rechts hoch, wo man einen gestürzten Keil und einen Haken sieht. Gerade aus ist 7a+ und wirklich nicht zu empfehlen!!!

 

 

Der Blick aus der Tour - die hohen Berner Alpen
Markus im Vorstieg in der 5. Seillänge (5a)
Felix im Stand nach der wunderschönen 5c Seillänge - hier finden sich die schönsten Piaz-Stellen
Schorsch in derselben Seillänge im Vorstieg
Langsam kommt der Tiefblick (immernoch 5. Seillänge)
Der kleine 0.3 Cam passt (fast) überall unter die feinen Piazrisse. Wer damit nicht 100% umgehen kann, sollte nicht einsteigen!
Schorsch sichtlich begeistert beim Piazzen
Steil genug, dass es noch Spaß macht

 

 

Die 6a+ ist eine Stelle, vom Stand weg, wer hier weit unten bleibt (auf Höhe des Hakens) und nach rechts quert, macht sich hier das Leben leichter. Die Länge ist lang und führt von dem kleinen Dächlein rechts weiter in einen etwas ekligen Riss, der schwer abzusichern ist zu einem Stand auf einem kleinen Sporn. Danach folgen zwei leichte Längen (4b und 5b) zu einem sehr bequemen Stand unterhalb der 3 Ausstiegslängen. Hier lässt sich gemütlich rasten und eine Pause machen. Wer's besser macht, wie wir, der hat hier noch genug zu trinken (wir hatten pro Nase nur 0,75l dabei, was für die hohen Temperaturen und die viele Sonne viel zu wenig war).

 

 

Ausnahmsweise mal ein Bild von mir, am Stand nach der 7. Seillänge
Markus piazzt sich durch die runden Risse der 7. Seillänge
Nach der 9. Seillänge - hier wird es mal kurz plattig
Immer wieder überwältigend: Das Panorama. Links kommt das Finsteraarhorn raus, rechts das Lauteraarhorn

 

 

Die letzten 3 Längen haben es dann noch mal in sich. Die Schlüsselstelle der ersten 5c befindet sich oberhalb der gut sichtbaren Schuppe, wenn man diese verlassen muss um über eine glatte Platte zum Stand unterhalb der s-förmigen Rissverschneidung zu kommen. Schon darunter bietet die Schuppe nicht die besten Griffe um die steile Stelle zu überwinden und verlangt gutes Anstehen und beherztes Zupacken. Wir waren uns alle einig, dass in der folgenden, 12. Seillänge die eigentliche Schlüsselstelle wartet: Der 6a Riss wird nach oben hin so klein, dass nur noch die Fingerkuppen hineinpassen. Zwar klettert man die eigentliche Schlüsselstelle direkt am Haken, jedoch war zumindest bei mir der Saft so dahin, dass ich die Stelle im Nachstieg nicht direkt klettern konnte. Fehlende Tritte und schlechte Reibung tun hier ihr übriges dazu. Nach dem kleinen Dächlein hat man die Wahl zwischen sehr glatten Platten oder kleinen Leisten und Untergriffschuppen auf dem Weg zum vorletzten Stand. Auch die abschließende 5c fordert mit schlechter Absicherung und offenen Rissen nochmal konzentriertes klettern, bevor man schließlich nach 14. Seillängen über eine 4er Platte zum Plateau aussteigt.

 

 

Einblick in die 3 Ausstiegslängen. Die Tour verläuft links unterhalb des S-förmigen Risses ein Drittel von links
Schorsch im plattigen Gelände
Ich am Ende der 10. Seillänge - 5b Platte
Felix macht es sich am Stand bequem
Schorsch im Nachstieg in der 10. Länge
Stand mit 7 Mann - nicht immer ganz übersichtlich
Markus rennt durch die leichten Risse am Ende der 10. Länge
Andere Seilschaft in der 4. letzten Länge - 5c. Die Tour verläuft über die markante Schuppe rechts im Bild und quert dann nach links in den markanten Riss
Noch einmal Panorama mit anderer Seilschaft in der "Septumania"
Schorsch in der letzten 6a Länge... jetzt wird's entspannter

 

 

Wie bereits erwähnt, haben wir uns entschieden, über die Tour abzuseilen. Die ersten beiden Längen sind wir dabei über den "Hirnriss" abgeseilt und konnten so mit insgesamt 9 mal Abseilen wieder unten ankommen. Sicher von Vorteil ist es dabei, den ersten Mann jeweils abzulassen, da die vielen Risse und der rauhe Granit sicher dafür sorgen, dass man mit einem "geworfenen" Seil viel Spaß hat. Wir schafften die 450m nach unten ohne einen Seilklemmer und ohne Knoten. Nach ca. 2h waren wir wieder unten.

 

Bleibt da noch die Sache mit dem Rucksack... wir hatten pro Seilschaft einen Rucksack dabei, der jeweils auf dem Rücken des Nachsteigers war. Das hat den Vorteil, dass der Vorsteiger den Rücken frei hat, der Nachsteiger hat dafür das doppelte Gepäck. Ich habe lange hin- und herüberlegt, ob ich meine große Kamera mitnehmen soll. Die Konstellation einer 4er Seilschaft hat mich aber dazu bewogen, die Spiegelreflex einzupacken, was gleich nochmal 1,6kg mehr im Rucksack waren. Die Bilder sind zwar (wie ich finde) sehr schön geworden, allerdings wäre aus jetziger Sicht eine weitere Flasche Wasser für das Wohlbefinden in der Tour sicherlich angenehmer gewesen... ich hoffe, die Bilder gefallen euch wenigstens und bereue es nicht, die Kamera dabei gehabt zu haben.

 

Als Fazit kann man sagen, dass diese Tour ihrem Ruf voll und ganz gerecht wird. Die Kletterei ist einmalig schön, liegt in traumhafter Kulisse und bietet abwechslungsreiches Klettern, wenn auch der Schwerpunkt ganz klar auf Piaz-Rissen liegt. Die Länge sollte nicht unterschätzt werden. Wir haben insgesamt etwa 10h für die Kletterei benötigt, nahmen uns allerdings viel Zeit, um Fotos zu machen und haben auch einmal eine Seilschaft zwischendrin abseilen lassen und eine andere überholen lassen. Alles in allem eine Traumtour - wenn man die Schwierigkeiten beherrscht. Die Tour ist nicht zu vergleichen mit der "Fair Hands Line" - was im Kletterführer etwa gleichschwer bewertet ist, wird durch die Länge und die sehr spärliche Absicherung noch einmal deutlich schwerer!

 

 

Nach 14 Seillängen endlich geschafft: Am letzten Stand der Motörhead
Markus rennt die 4er Platte hoch
Etwas Erschöfpung war uns allen ins Gesicht geschrieben
Schorschi kommt über die letzte Platte geschlichen
Auch bei ihm hat die Tour ein bisschen gezehrt
Gruppenbild (ohne Dame...)
Markus nach dem 2h Abseilmarathon
Meine Wenigkeit nach einer kräftigen Ladung Wasser (wir hatten viel zu wenig dabei...)
Letztes Vesper am Biwakplatz, danach noch der lange Hatscher zurück zum Grimselhospiz
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  • 4 Kommentare
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Gravatar: Achim FischerAchim Fischer
29.06.2010
22:29
Glückwunsch zur tour

Hallo Ihr Vier!

Ich war einer derjenigen die am 6. Stand den Rückzug angetreten haben. Ganz tolle Bilder und tolle Beschreibung. Glückwunsch zum Gipfel. Wir werden die Motorhead bestimmt noch mal probieren ohne am Vortag die Fair hands line geklettert zu haben. Ganz liebe Grüße aus der Pfalz

Achim

Gravatar: ChristianChristian
08.07.2010
17:22
Gut gemacht

He Mimi hast es ja doch noch geschafft! Aber das du se nich durchgestiegen bist also bitte schäm dich. ;-) Hast du die geraden oder ungeraden zahlen gehabt? Ab ende nächster Woche hab ich Zeit!!!

Gravatar: MimiMimi
20.07.2010
17:22
Ungerade...

Hi Christian,

ich hatte die ungeraden Zahlen... und vllt. zu wenig zu trinken und zu viel Foto dabei :-) Aber ich schäm mich schon ein bisschen - geb's ja zu!

Grüßle

Mimi

Gravatar: kiksenkiksen
17.09.2011
23:42
Biwak

Hallo,
danke für den tollen Bericht. Wo habt ihr Euer Biwakzeug gelassen? Einfach unten an der Tour?
Grüße
Kiksen

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